Baumannn realisiert weitere Schwerlastmontage mit Anlagenbauer Oschatz
Platz ist in der kleinsten Lücke
Never change a winning team! Was im Sport einer Volksweisheit nach Gültigkeit besitzt, scheint auch für den Schwertransport- und Kranbereich zuzutreffen. So warfen Rolf Weyers vom Bornheimer Unternehmen Baumann und Peter Haja vom Anlagenbauer Oschatz erneut ihr Know-how in eine Waagschale, und wechselten erfolgreich einen so genannten Überhitzer im Hamburger Aurubis-Werk aus. Die Herausforderung: Für den erforderlichen Terex-Kran und dessen notwendigen Arbeitsbereich waren nur minimale Flächen vorhanden.
Stellen schon die Neuerrichtung von komplexen Industrieanlagen die Planer insbesondere beim Aufstellen größerer Anlagenteile vor mehr oder weniger große Herausforderung bei der Planung, so erhöht sich der Aufwand für Umbauarbeiten bei bestehenden Einrichtungen schnell recht deutlich. Ursache hierfür ist eine vielfach bestehende Infrastruktur der Produktionsanlagen, die in den seltensten Fällen eine längere Unterbrechung der Produktionsabläufe erlaubt - wie dies beispielsweise auch in der Kupferschmelze des Hamburger Unternehmens Aurubis der Fall ist. Hier galt es für den Essener Anlagenbauer Oschatz, kurz nach Ostern den Austausch eines Überhitzers vorzunehmen. Allerdings wurde sehr schnell deutlich: Angesichts der größeren Dimensionen des leistungsfähigeren Nachfolgers, unsicherer Bodenverhältnisse und des äußerst knapp bemessenen (Arbeits-) Platzes wird ein ausgewiesener Spezialist für die Durchführung der beiden Hübe gefragt sein.
Platzbedarf als Herausforderung
Nicht zuletzt die langjährige, und vor allen Dingen erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Peter Haja und Rolf Weyers sorgte für eine Nachfrage seitens Haja's in Bornheim, ob man nicht eine Möglichkeit sähe, den alten Überhitzer mit einem Hub von seinem angestammten Platz zu entfernen und an gleicher Stelle ebenfalls mit einem Hub den deutlich leistungsfähigeren, aber eben auch schwereren Nachfolger an gleicher Stelle einzusetzen. Nach einer intensiven Begutachtung des betreffenden Werksgeländes signalisierte Weyers im Prinzip Zustimmung - die Detailplanungen konnten beginnen.
Verantwortlicher Projektingenieur seitens Oschatz war von Beginn an Rene Märzdorf. Unterstützung, und letztendlich auch die Verbindung zu Weyers erhielt Märzdorf von Peter Haja, der zeitweise, beispielsweise direkt auch beim Auswechseln, vor Ort weilte. Die eigentliche Herausforderung des Hubes ergab sich durch die "Leistungssteigerung" des neuen Überhitzers. Hatte das bisherige Anlagenteil etwa 105,0 t gewogen, brachte das neue Exemplar immerhin 235,0 t Masse auf die Waage. Erforderte also das Altteil eine deutlich geringere Hubleistung, so war beim Neuteil ein deutlich höheres Gegenmoment in Form von zusätzlichem Ballast erforderlich. Stellt ja so eigentlich keine echte Herausforderung dar. Allerdings lag die Montagestelle inmitten der bestehenden Produktionsanlagen, die durch feste Gebäude und benachbarte Silos nur minimalen Raum für das Aufnahmen und Einschwenken des Anlagenteils hergaben - was ganz offensichtlich auch Weyers' Wettbewerber zum Abwinken bewog.
Minimales Zeitfenster
Weitere Herausforderung für Baumann und Oschatz: Angesichts des kontinuierlichen Produktionsverfahrens billigte der Auftraggeber den beteiligten Unternehmen bzw. Gewerken eine so genannte Abstellungsgesamtzeit von gerade mal 12 Tagen zu - allein für die Kranarbeiten ergab dies ein maximales Zeitfenster von nur zwei Tagen! Never change a winning team - auch beim eigentlichen Hauptakteur des Anlagentausches, einer Terex-Demag-Raupe vom Typ CC 2500, vertraute Weyers auf Bekanntes und Bewährtes. So kam der gemeinsam mit Riga vermarktete Mobilkran mitsamt Geschäftsführer und Kranfahrer Uwe Langer zum Einsatz. Unter Zuhilfenahme eines Merlo-Teleskopstaplers und eines LTM 1160 von Riga gelang es der erfahrenen Mannschaft um Uwe Langer die Raupe innerhalb von nur zwei Tagen mit 160,0 t Oberwagenballast, 40,0 t Zentralballast und letztendlich 250,0 t Derrickballast (erst beim Hub des Neuteils) aufzurüsten. Vergleichsweise kurz, aber ausreichend stark, fiel der SSL-Hauptausleger mit 54,0 m aus.
Angesichts der "tiefen" Lage innerhalb der Produktion wäre die Herausforderung des Austausches vielfach mit einer entsprechenden Ausladung des Hauptauslegers gemeistert worden - war im vorliegenden Fall jedoch durch ausgesprochen hohe Silos und angrenzende Gebäude nicht möglich. Also plante man für die weitaus kritischere Installation des Neuteils zunächst die Aufnahme des Überhitzers ein, dem ein anschließendes Verfahrens der Raupe und bei gleichzeitigem Drehens des Oberwagens bzw. dem daraus ergebenden Überwinden eines Gebäudes des Anlagenteils folgte. Die sich hieraus ergebende, gleichzeitige Bewegung in drei Dimensionen war mit zwei entscheidenden Herausforderungen verbunden. So musste, wie bereits beschrieben, immer noch ausreichend vorhandener Bewegungsraum mit gewissen stillen Reserven gegeben sein - in der Endposition des Krans gab es nur wenige Zentimeter Spielraum zwischen Raupenfahrwerk und Hauswand bzw. ebenso wenig Platz zwischen Schwebeballast und Hauswand. Auf der anderen Seite musste schon im Vorfeld der Planungen penibel darauf geachtet werden, das der Bodendruck der verfahrenden, mehr als 800,0 t wiegenden Raupe nicht zu stark auf den Untergrund einwirkt. So hatte man im Vorfeld der Kran-Montage nicht nur tonnenweise Schotter auf die normalerweise als Werksstraße genutzte Trasse eingebracht und planiert, sondern auch auf dem eigentliche Verfahrweg die bewährten Bongossi-Hölzer, immerhin 60 Stück an der Zahl, verlegt.
Der Kran selbst bietet ein maximales Lastmoment von 6140 mt. Im Rahmen der optimierten Transportgewichte von unter 39 t pro Einzelkomponente ist der Raupenunterwagen 3-teilig ausgeführt und kann über die bekannten Bolzenverbindungen hydraulisch montiert werden. Die Turas aus vergütetem hochfestem Stahlguss erhalten ihre Vortriebskraft durch einen Daimler-Dieselmotor vom Typ OM 501 LA mit einer Leistung von 315 kW bzw. 420 PS bei 2000 1/min. Der Motor erfüllt nach Herstellerangaben EUROMOT 3a, EPA TIER 3 und die entsprechenden Carb-Vorschriften. Mögliche Auslegervarianten bestehen in den Versionen SH, SH/LH (SGL variabel), SH/LH (SGL max.), SW, SSL, SSL/LSL (SGL 70,5 m), SSL/LSL (SGL max.), SWSL und zusätzlich zu SH, SH/LH, SSL oder SSL/LSL mit der Ergänzung L2F.
Gute Planung macht sich bezahlt
Ausgesprochen professionell und routiniert erfolgte dann, als zentralen Punkt der Arbeiten, am Freitag nach Ostern das Einheben des neuen Überhitzers. So wurde das 235,0 t schwere Neuteil über zwei Spreiztraversen mit einem Spreizmaß von exakt 6,0 m an der Hakenflasche des CC 2500 angeschlagen und behutsam vom Montageplatz auf dem Werksgelände angehoben. Wie zuvor bereits geschildert, ging es nun über ein benachbartes Gebäude, um anschließend durch die durch das Altteil entstandene Öffnung in den zukünftigen Arbeitsplatz eingehoben zu werden. Nicht weiter verwunderlich, dass zwischen dem Überhitzer und seiner zukünftigen Peripherie nur wenige Zentimeter Spielraum bestanden - die aber ebenso routiniert beim eigentlichen Einheben genutzt wurden, wie die Abstimmung zwischen Peter Haja und Rolf Weyers im Vorfeld des Einsatzes. Für eine gewisse Verzögerung sorgte noch das eine oder andere Profil bzw. Zuleitungsrohr, das bei den Vorbereitungen etwa zu sparsam gekürzt worden war, und so kurzfristig gekappt werden musste. Nicht weiter verwunderlich, dass nach etwa einer Stunde auch die letzte Aufnahme ihren Weg durch die Bohrung in den Bodenplatten des Überhitzergerüstes fand, und sich Rolfs Weyers, Peter Haja und Wolfgang Schubach per Handschlag erneut zum erfolgreichen Abschluss eines anspruchsvollen Hubs gratulieren konnten. Anmerkung: Übrigens scheint auch Petrus von der bewährten Verbindung zwischen Anlagenbauer und Hebespezialisten überzeugt zu sein. Pünktlich zum Anschlagen und Einheben des neuen Überhitzers hatte der Wetter-Verantwortliche dem "winning team" schönsten Sonnenschein und wenig Wind beschert - nach dem die am Hub Beteiligten in den Tagen zuvor mit typisch norddeutschen Wetterverhältnissen "verwöhnt" worden waren.
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