Koordinierte Zusammenarbeit
Dynamic-Anti-Collision-Konzept von Liebherr für Tandemhübe
Die Nachfrage nach Schwerlastschiffen ist in den vergangenen Jahren ständig gestiegen. Als Ergebnis hat Liebherr nicht nur die Traglasten seiner Geräte bis zu 450 t erhöht, sondern auch die eigene Litronic-Steuerung eingeführt. Diese Steuerung ermöglicht automatisierte Tandemhübe und andere optionale Funktionen wie Anti- Kollision oder Fernsteuerung der Krane für erhöhte Sicherheit im Kranbetrieb.
Die Dynamic Anti-Collision steuert gleichzeitige Kranbewegungen, wodurch größtmögliche Leistung bei maximalem Schutz des Kranes gewährleistet ist. Die Grundidee hinter Anti-Kollisionssystemen ist die Vermeidung von Kollisionen zwischen Kranen bzw. einem Kran und festen Hindernissen. Wenn mehrere Krane gleichzeitig arbeiten, lassen sich die Bewegungen des einzelnen Krans basierend auf der aktuellen Position der anderen Krane steuern. Die Besonderheit dieses neuen, dynamischen Anti-Kollisionssystems besteht darin, dass es die tatsächliche Position, Geschwindigkeit und Beschleunigung jedes Krans sowie die Lastmomentbegrenzung automatisch berechnet. Dadurch kann der Kranfahrer bei maximaler Flexibilität absolut sicher arbeiten.
Herkömmliche Anti-Kollisionssysteme definieren eine fiktive Grenze, um ein Kollidieren der Krane zu verhindern. Dadurch wird jedoch der Arbeitsbereich der einzelnen Krane eingeschränkt. Das dynamische Anti- Kollisionssystem hingegen führt zu keinerlei Einschränkung der Arbeitsbereiche, da es die tatsächlichen und voraussichtlichen Kranbewegungen berechnet. Automatisierte Tandemhübe sind darüber hinaus eine weitere wichtige Funktion der Liebherr-Steuerung und können auf drei verschiedene Arten durchgeführt werden.
Drei Steuerungsvarianten
So benötigt für Tandemhübe im Standard Modus jeder Kran seinen eigenen Fahrer und jeder Fahrer wird über die Hauptfunktionen (Geschwindigkeiten etc.) beider Krane auf seinem Monitor informiert. Dies ermöglicht beiden Kranfahrern eine voneinander unabhängige, jedoch gleichmäßige Steuerung beider Krane.
Eine zweite, und weitaus effizientere Variante ist der Automatic Parallel Mode, bei dem ein Kranfahrer beide Krane steuert. In dieser Betriebsart bleibt die Traverse parallel zum Schiff oder zur Ausgangsposition und eine Automatiksteuerung berechnet die Bewegungen der Auslegerköpfe beider Krane. Die Geschwindigkeiten werden von der berechneten Auslegerkopfgeschwindigkeit abgeleitet. Die Traverse bleibt horizontal. Da Länge und Hakenhöhendifferenz während der Bewegung konstant gehalten werden, kann ein Schrägzug in den Seilen gar nicht erst entstehen. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass sich die Kommunikation von zwei Kranfahrern und einem Einweiser auf einen Kranfahrer und einen Einweiser reduziert. Das ermöglicht einen sicheren und schnellen Hub.
Eine dritte Option für Tandemhübe ist der Automatic Rotation Mode, bei dem sich die Traverse drehen kann. Der Kranfahrer muss nur die Richtung bzw. Drehung der Traverse steuern, während das Steuerungssystem die notwendige Bewegung der Auslegerköpfe beider Krane berechnet. Die Geschwindigkeiten werden wiederum von der berechneten Auslegerkopfgeschwindigkeit abgeleitet. Die Traverse bleibt horizontal.
Darüber hinaus kann das Anti-Heeling-System des Schiffes von der Steuerung unterstützt werden. Das Gesamtmoment aller Krane kann relativ zur Längsachse des Schiffes - je nach Last und Arbeitsbereich jedes Krans - berechnet und auf der Schiffsbrücke angezeigt werden.
Optimierte Hebesituation
Eine weitere Ausstattungsoption für diese Krane ist der Vertical Line Finder, eine optionale Steuerungshilfe zur Vermeidung von Schrägzug der Last, welcher aus großen Abständen zwischen Kranfahrer und Last oder aus einem asymmetrischen Schwerpunkt resultiert. Dieses neue System steuert die Position des Auslegers durch Anzeigen der exakten vertikalen Seilposition, bevor die Last hochgehoben wird. Dies garantiert maximale Präzision und verhindert potenziellen Schrägzug der Last. Dadurch wird ein Schwingen der Last von Anfang an vermieden, die Gefahr von Beschädigungen an der Last oder am Kran reduziert sowie maximale Sicherheit für Kranfahrer und Umgebung gewährleistet.
Die ersten Schiffskrane, die sowohl Anti-Kollision als auch automatisierte Tandemhübe bieten, sind die Schwerlastkrane der CBB- Serie. Die elektrohydraulischen Schwerlastkrane des Typs CBB basieren auf dem bekannten Design der Liebherr-Seileinziehkrane. Mit der weiteren Entwicklung dieses Krantyps bietet Liebherr nach eigenen Angaben einzigartige, technische Besonderheiten. Dazu gehört ein niedriger Schwerpunkt durch einen geringen Abstand zwischen Auslegeranlenkpunkt und Drehkranzlager, was eine größere Stabilität des Schiffes gewährleistet. Weitere Vorteile sind eine geräumige Drehsäule, die für Wartungszwecke leicht zugänglich ist, sowie eine verbesserte Sicht aus der Fahrerkabine auf den Arbeitsbereich durch die geänderte Positionierung des ersten Querriegels.
Die Steuerung zeichnet Daten über alle individuellen Komponenten, alle Alarmsignale und Fehler sowie Spitzenwerte auf. Somit kann die Lebensdauer der Komponenten analysiert werden und es besteht die Möglichkeit, Pläne für vorbeugende Maßnahmen und die Ersatzteillieferung zu erstellen. Als Ergänzung zum weltweiten Liebherr-Servicenetz ist der CBB-Kran mit einem Modem ausgestattet, das den Datentransfer zur Ferndiagnose ermöglicht. Dadurch können Systemprüfungen und Fehlerdiagnosen kostengünstig durchgeführt werden, da die Anwesenheit eines Servicetechnikers nicht erforderlich ist.
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