07.04.2010

Bang realisiert Zweiträgerlaufkran mit 120 t Traglast

Foto: Bang

Haken am laufenden Strang

Anspruchvolle Einsatzbedingungen sind immer auch mit ebensolchen Lösungen verbunden. Im Falle der Stahlerzeugung und -weiterverarbeitung bedeutet dies hohe Temperaturen und ein hoher Staubanteil. Hohe Herausforderungen für einen Traversenlaufkran, den Bang installierte.

Die Salzgitter Flachstahl GmbH, die größte Stahltochter in der Salzgitter Gruppe, erzeugt etwa 4,6 Mio. t Stahl im Jahr. Mit umfangreichen Investitionen in neue Anlagentechniken will Salzgitter Flachstahl auch zukünftig die Einhaltung aller Qualitätsanforderungen gewährleisten - und dies beinhaltet auch eine Verbesserung der internen Transportabläufe beispielsweise durch die installierten Hallenkrane.

Bang Kransysteme ist ein Systemanbieter von Krananlagen für die Stahl-, Energie- und Automobilindustrie mit Spannweiten bis 50,0 m und Traglasten bis 500,0 t. Bang-Krane arbeiten unter den anspruchsvollsten Umgebungsbedingungen und helfen weltweit zuverlässig, einen der wichtigsten Prozesse in der verarbeitenden Industrie, den internen Materialfluss, schnell, sicher und effizient zu gestalten, um so nach eigener Aussage den Kunden durch wirtschaftliche Lösungen Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Als Hersteller von Krananlagen in Sonder- und Standardausführungen bietet man seit 1989 entsprechende Konzepte an.

Haupt- und Hilfshubwerk

Für die Erweiterung einer Stranggießanlagen-Gießhalle bestellte die Salzgitter Flachstahl GmbH bei Bang einen Traversenlaufkran. So wurde dieser Zweiträgerlaufkran mit einer Spannweite von 27,5 m und einer Tragfähigkeit von 120 t im vergangenen Jahr ausgeliefert und in Betrieb genommen. Die Hauptaufgabe der funkgesteuerten Krananlage besteht im Umsetzen von Verteilerrinnen. Zum Segmentwechsel wird das 120-t-Haupthubwerk eingesetzt, für den Materialtransport innerhalb der Gießhalle der Stranggießanlage kommt hauptsächlich das Hilfshubwerk zum Einsatz. Am 40-t-Hilfshubwerk können die zu transportierenden Lasten an den Einfachhaken der Unterflasche angeschlagen werden.

Die zu transportierenden Bauteile werden mittels Ketten an der fest eingescherten Traverse des Haupthubwerkes oder deren mittig angebrachter Lasthakenaufhängung gehandhabt. Die Kranbahn in der Gießhalle befindet sich in etwa 23,0 m Höhe. Da auf dieser Kranbahn zwei weitere Krane verfahren werden, gilt es mögliche Kollisionen mit Nachbarkranen zu erkennen und zu vermeiden. Dafür wurde ein automatisches Antikollisionssystem installiert. Dieses System arbeitet mit Laserdistanzermittlung und ermöglicht es, vollständigen Kollisionsschutz zu gewährleisten. Die Annäherung der beiden Krane wird von diesem System erkannt. Ab einer Entfernung von ca. 15,0 m wird die Kranfahrgeschwindigkeit durch die Steuerung automatisch verringert und gestoppt.

Das Haupthubwerk des Krans wird  mit zwei Siemens-Kurzschlussläufermotoren Motoren mit jeweils 132 kW angetrieben, die Kraftübertragung über ein Stirnradgetriebe in geschweißter Hüttenwerksausfühung. Der Hilfshub hat eine Leistung von 132 kW, die Kranfahrt wird mit 4 x 37 kW und die Katzfahrt mit 75 kW betrieben. Alle Fahrantriebseinheiten sind als offene Antriebseinheiten mit jeweils separatem Motor, Getriebe, Bremse und einer Gelenkwelle als Verbindung zum Laufrad ausgeführt. Als Laufräder für den Kran wurden acht in Radschwingen gelagerte Laufräder mit Durchmesser 900 mm installiert, für die Katzfahrt kamen  vier Räder der identischen Dimension zum Einsatz.

Sichere Fernbedienung

Die Bedienung der Krananlage erfolgt mittels tragbarer Funkfernsteuerung durch den Kranführer. Das Steuerungskonzept des Kranes basiert auf dem Einsatz modernster Antriebs- und Steuerungskomponenten. Zur Anwendung kommt vektorgeregelte Umrichtertechnik kombiniert mit dem SPS-System S7-300. Die Steuerungs- und Regelkomponenten sind optimal aufeinander abgestimmt und kommunizieren über Profibus L2-DP. Das Programm für die Antriebssteuerung ist in der SPS hinterlegt. Als weitere Besonderheiten der Krananlage gilt eine Meldeanlage zum sicheren Betreten des Krans. Dazu wurden an allen Kran- und Katzzustiegen Aufstiegssignalanlagen mit Rückmeldung auf die Funksteuerung installiert. Die Krananlage arbeitet in einer hochgradig von Staub und Hitze beeinflussten Umgebung, die Umgebungstemperatur beträgt 0° bis +55°C, auf Grund der Strahlungswärme wurden die Kranbrücken, Traverse sowie der E-Container mit Hitzeschutzblechen ausgerüstet, sämtliche Antriebe und Schaltanlagen sind in Schutzklasse IP 65 ausgeführt, um eine maximale Verfügbarkeit der Anlage zu gewährleisten.

Des Weiteren ist der Kran mit einer Pendeldämpfung ausgerüstet. Das entsprechende System für das Haupthubwerk dient der Beseitigung von Lastpendelungen am Kran. Dies wird durch gezielte Beeinflussung der Beschleunigungs- und Bremsvorgänge erreicht. Das Pendeldämpfungssystem besteht aus einer Kamera mit integriertem PowerPC sowie den Zusatzkomponenten Ethernet-PROFIBUS-Gateway und RS-232-Diagnosemodul sowie einem Reflektor auf der Traverse. Die Ankopplung des Pendeldämpfungssystems an die Kransteuerung erfolgt schließlich über Profibus-DP.

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