08.02.2011

Kransicherheit -

Foto: Liebherr

Fester Untergrund gefragt

Der Windkraftboom hat der Kranbranche in den vergangenen Jahren nicht nur ein Beschäftigungsboom beschert, sondern auch für eine Vielzahl von Unfällen gesorgt - nicht zuletzt durch das fehlende Fachwissen, das dem ebenso schnellen Wachstum der Beschäftigungszahlen geschuldet ist.


Foto: Liebherr

Zeit ist Geld, gerade auch bei Montagearbeiten in Windkraftparks. Und so sind die Kranbetreiber im Sinne einer maximalen Wirtschaftlichkeit bestrebt, jede Stunde Rüstzeit zu sparen. Dem gegenüber stehen unsichere Bodenverhältnisse gerade beim Verfahren in Windparks gegenüber, wie der nachfolgende Beitrag belegt. Nach getaner Arbeit macht sich die LTR 11200 von Hartinger in einem Windpark mit moorigem Untergrund voll aufgerüstet auf den Weg zur nächsten, zu errichteten Anlage. Gesamtgewicht des Gefährts: 415 t. Jeder Quadratmeter Untergrund muss einer Bodenpressung von 16,5 t standhalten.

Bedrohliche Schieflage


Zunächst läuft alles reibungslos. Allerdings graben sich die Ketten des Gerätes immer tiefer in den Fahrweg......Plötzlich brechen armdicke Risse auf dem verdichteten Schotterweg zwischen den Raupenträgern auf. Eine Fahrbahnseite senkt sich immer weiter ab und der Kran gerät in gefährliche Schieflage.

Rettendes Konzept

In diesem Moment entschließt sich der Mann an der Fernbedienung, sein Gerät zu sichern. Rasch fährt der Raupenkran seine Abstützplatten an den Enden der sternförmig abgespreizten Stützen nach unten, der Stahl stützt sich auf der morastige Wiese ab. Trotz moorigen Untergrunds reicht die Aufstandsfläche aus, den Raupenkran zu stabilisieren und wieder in die Lotrechte zu bringen. Das Sicherheitskonzept des Kranherstellers für ein solches Szenario hat im Ernstfall funktioniert.

Die Männer im Hintergrund

Der Mann an der Fernbedienung heißt Burkhardt Hartinger. Er ist Juniorchef des gleichnamigen Kranbetriebs aus Warburg in Nordrhein-Westfalen. Sein Arbeitsgerät ist ein Liebherr LTR 11200, ein Teleskop-Raupenkran auf Schmalspur-Raupenfahrwerk. Konzipiert für das Verfahren auf schmalen Wegen, wie sie in Windparks eben oft vorkommen. Nur hier, im neuen Anlagenpark unweit der ostfriesischen Stadt mit den Untergrund trefflich beschreibenden Namen Wiesmoor, halten die errichteten Fahrwege dem enormen Druck unter den Raupenketten des großen Gerätes nicht stand.

Vorausschauend hatte Burkhardt Hartinger die Abstützungen des LTR 11200 zum Verfahren abgespreizt gelassen, als der Kran sich in Bewegung setzte. "Genau für diesen Fall ist das natürlich ideal", kommentiert er die Misere, während er einen der Abstützzylinder wieder hochfährt, damit seine Männer große Hölzer unter die Stützplatten legen können. Nun gilt es, den Kran weiter zu stabilisieren und anschließend teilweise abzurüsten, damit der Rest des Weges doch noch zurückgelegt werden kann. Die Zeit drängt, das Montage-Team wartet schon an der nächsten Anlagenbaustelle. Der Untergrund an den Kranstellplätzen selbst ist besser präpariert. Vier Meter tief wurden die Flächen hier ausgebaggert und mit Kies verfüllt.

Das teilweise Abrüsten des Krans geht den Männern routiniert von der Hand. Nach drei Stunden schon geht die Fahrt weiter. Um sämtliche Gittermastteile und 80 t Gegengewicht erleichtert, macht sich der Koloss wieder auf den Weg. Die Schotterpiste ist so dimensioniert, dass das mit 4,8 m Breite äußerst schmale Raupenfahrwerk gerade eben so Platz findet. Das Umsetzen des Kranes in voll aufgerüstetem Zustand hat Hartinger schon einige Male durchexerziert: "Vom letzten Abschlagen an einer fertig gestellten Anlage bis zur Zugbereitschaft an einer rund 500 m entfernten Baustelle brauchen wir nur etwa drei bis vier Stunden" erzählt der Unternehmer, der das stärkste Gerät seiner Kranflotte stets selber steuert.

Ständiger Begleiter von Hartingers LTR 11200 ist eine kleine Version des Liebherr-Teleskop-Raupenkrans, ein LTR 1100. Dieser mobile 100-Tonner wird hier zum Aufrichten der Turmelemente, des Generators, Arbeiten mit Mannkorb und natürlich zu Rüstarbeiten am großen Kran eingesetzt. Auf einer Baustelle wie in Wiesmoor kann der LTR 1100, im Gegensatz zu einem bereiften Autokran, sich auch mal ein Stück in die weiche Wiese wagen, ist beim Standortwechsel ungleich schneller und kann eben auch mit Last verfahren. Dieser kompakte Liebherr-Raupenkran mit 52,0 m langem Teleskopausleger bewährt sich seit fünf Jahren im Markt und kommt inzwischen auch in Windparks und Großbaustellen zahlreich zum Einsatz. Seit einigen Monaten gibt es diesen Krantyp auch als LTR 1060 - also eine Nummer kleiner.

Auf die Baustelle in Wiesmoor haben Burkhardt Hartinger und sein LTR 11200 den Windpark inzwischen fertig gestellt und insgesamt sechs Enercon-Anlagen vom Typ E-82 mit 108,0 m Nabenhöhe aufgebaut. Schwerstes Teil war jeweils der Flügelstern mit 51,0 t Gewicht, der komplett montiert bei einer Ausladung von rund 18,0 m eingehoben werden musste. Danach ging es weiter nach Eisenach, wo der Teleskop-Raupenkran aufgrund der sehr schrägen Stellfläche an einer Windkraftanlage erstmalig sogar als Pedestal-Version, also ohne Raupenfahrwerke, zum Einsatz kam.


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