13.02.2007

Rüstiger Rentner

Scholpp restauriert historischen Grove-Kran

K&H, 13.02.2007. Mitte der Sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Die Kran- und Hebebranche wird weltweit von Gittermast-Konstruktionen beherrscht - noch! Denn die Konstrukteure arbeiten schon an einem neuen Konzept, das weitaus kürzere Montagezeiten für den eigentlich Kran verspricht - einem mobilen Hebegerät mit teleskopierbaren Ausleger. Zu den ersten Europäern, die das Potential des neuen Konzeptes erkennen, gehört der Stuttgarter Kranbetreiber Alfred Scholpp. Als der Süddeutsche im Februar 1965 die damalige "Road-Show" in Chicago besuchte und dabei fast zufällig John Grove und dessen ersten Hydraulik-Autokran sah, ..... (Foto: Scholpp)

K&H, 13.02.2007. Mitte der Sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Die Kran- und Hebebranche wird weltweit von Gittermast-Konstruktionen beherrscht - noch! Denn die Konstrukteure arbeiten schon an einem neuen Konzept, das weitaus kürzere Montagezeiten für den eigentlich Kran verspricht - einem mobilen Hebegerät mit teleskopierbaren Ausleger.

Zu den ersten Europäern, die das Potential des neuen Konzeptes erkennen, gehört der Stuttgarter Kranbetreiber Alfred Scholpp. Als der Süddeutsche im Februar 1965 die damalige "Road-Show" in Chicago besuchte und dabei fast zufällig John Grove und dessen ersten Hydraulik-Autokran sah, konnten beide vermutlich nicht ahnen, welche technologische Entwicklung der Kranbau in der Zukunft nehmen würde. Arbeitete die Kranbranche bisher mit so genannte Gittermast-Kranen, die mit aufwändiger, zeitintensiver Auslegermontage assoziiert wurden, so revolutionierte der Grove-Kran dieses "Verfahren" mit sensationell schnellen Rüstzeiten.

Deutlich kürzere Rüstzeiten

Ineinander geschobene Teleskopschübe, hydraulisch betrieben, ersetzten die Gittermastteile und sorgten für angepasste Auslegerlänge praktisch "auf Knopfdruck". Gleichzeitig versorgte die Hydraulik die Hubwinde und die hydraulisch ausfahrbaren Abstützungen - auch dies eine Neuheit. Alfred Scholpp entdeckte den Kran, studierte die Traglastwerte und kaufte den Kran per Handschlag von John Grove. Im August 1965 schließlich traf der Kran in Rotterdam ein und wurde nach Stuttgart überführt. Dort eingetroffen, wurde der in original schwarz-gelber Lackierung und amerikanischen Scheinwerfern überführte Grove umgerüstet, umlackiert und dem deutschen TÜV vorgeführt.

Bei Scholpp erhielt das amerikanische Hebegerät umgehend die Bezeichnung "TELE-KRAN", die sich natürlich auf das Konstruktionsprinzip des als Nummer 23 in den Fuhrpark eingereihte Gerät bezieht. Schnell erkanten Disponenten und Kunden nach Aussage von Scholpp das Potential des neuen Kranes. Zu den ersten Einsätzen des Amerikaners zählte auch ein Auftrag bei Porsche. So sahen sich 1965 die deutschen Autobauer erstmalig mit Forderungen amerikanischer Zulassungsbehörden konfrontiert, Crashtests für die eigenen Fahrzeuge nachweisen zu müssen. Aus Mangel an Platz und technischer Einrichtung "vertikalisierte" Porsche in Zuffenhausen kurzerhand den geforderten "Crash-Test", indem "Kran 23" einen Porsche 904 GTS in eine zuvor berechnete Höhe zog um einen Frontalaufprall mit entsprechender Geschwindigkeit zu simulieren.

Eine Legende tritt ab

"Kran 23" war von 1965 bis Mitte der neunziger Jahre im Einsatz, also annähernd 30 Jahre. Danach ging er als Leihgabe in das Technik-Museum nach Sinsheim. Dort verbrachte die historische Arbeitsmaschine unter freiem Himmel den weiteren Lebensabend - was nicht unbedingt förderlich für den Zustand des Kranes war. So entschloss man sich, zum 50-jährigen Firmenjubiläum von Scholpp den Zeitzeugen der Technikgeschichte einer Total-Restauration zu unterziehen. "Als Kran 23 Ende Juni endlich in Chemnitz eintraf, waren wir, meine 5 Mitarbeiter und ich, über den Zustand des Krans regelrecht erschüttert. Das sah nach richtig viel Arbeit aus", berichtet Jan Siegel, Werkstattmeister der Scholpp Montagetechnik Sachsen GmbH und Projektleiter für die Restauration.

Und diese Totalrestauration bedeutete für die Mannschaft nach eigenen Angaben neben viel Arbeit vor allem Koordination und Einfallsreichtum bei der Teilebeschaffung, insbesondere vor dem Hintergrund des äußerst begrenzten Zeitraumes. Schließlich sollte das historische Gerät bereits nach nur drei Monaten den ersten Termin bei den Kundentagen von Grove in Wilhelmshaven Ende September wahrnehmen. So wurde letzlich alles zerlegt, mit Ausnahme der Motoren im Unter- und Oberwagen sowie dem Ausleger. Neu angefertigt wurden beispielsweise Teile der Beplankung, die Scheiben und Scheibengummis sowie die gesamte Elektrik und Hydraulik. Anschließend wurde der Kran in der bei Scholpp 1965 üblichen Zwei-Farbenlackierung lackiert: Felgen und Chassis in Karminrot RAL 3002 Führerhaus, Kranoberwagen und Ausleger in Weißgrün RAL 6019.

Zeitzeuge zum Jubiläum

Ein weiterer, besonders wichtiger Auftritt war dann Mitte November des vergangenen Jahres das 50-jährige Firmenjubiläum von Scholpp, bei dem er dann als ausgesprochenes Schmuckstück vor dem Eingang des neuen Mercedes-Benz Museums aufgestellt wurde. Und auch hier ergab sich mehr oder weniger ein historischer Bezug zum Veranstaltungsort: Die ursprünglich eingebauten Motoren (Cummins im Chassis und GM 2-Takt Dieselmotor im Oberwagen) wurden nach Aussage von Scholpp bereits in den siebziger Jahren gegen Mercedes-Benz-Motoren getauscht, wobei diese auch heute noch zuverlässig ihren Dienst versehen und im Rahmen der Restauration nicht einmal überholt werden mussten. (Foto: Scholpp)


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