Neuer Still-Stapler mit diesel-elektrischem Antrieb
Ein Stapler erobert das All
K&H, 07.11.2006. Wenn Still ein neues Produkt am Markt einführt, geht es dabei erfahrungsgemäß ganz anders zu als es der Firmenname nahe legen könnte. Ihrem Ruf für professionelle Inszenierungen zu derlei Anlässen wurden die Stapler- und Logistikspezialisten indes auch Ende Oktober wieder gerecht. So stellten sie in der firmeneigenen „Still-Arena“in Hamburg-Billbrook den RX 70 vor, mit dem erstmals ein Gabelstapler mit Hybridtechnologie in Serie produziert wird. Mit seiner neuen Musical-Inszenierung geht Still diesmal ins Weltall: Dort treibt der Sternenkreuzer Logistica 2 vom Planeten Cost durch die Tiefen des Raums. Commander Total Control und seine Crew ... (Foto: Still)
Wenn Still ein neues Produkt am Markt einführt, geht es dabei erfahrungsgemäß ganz anders zu als es der Firmenname nahe legen könnte. Ihrem Ruf für professionelle Inszenierungen zu derlei Anlässen wurden die Stapler- und Logistikspezialisten indes auch Ende Oktober wieder gerecht. So stellten sie in der firmeneigenen „Still-Arena“in Hamburg-Billbrook den RX 70 vor, mit dem erstmals ein Gabelstapler mit Hybridtechnologie in Serie produziert wird.
Still goes Star Trek
Mit seiner neuen Musical-Inszenierung geht Still diesmal ins Weltall: Dort treibt der Sternenkreuzer Logistica 2 vom Planeten Cost durch die Tiefen des Raums. Commander Total Control und seine Crew suchen Lösungen für die Energiekrise ihres Heimatplaneten, die auch ihr Schiff trifft – sie müssen auf der Erde notlanden. Dort, genauer gesagt in der Arktis, trifft die Logistica-Crew auf den RX 70 nebst Still-Chef-Entwickler Ken Norris, der vor lauter Härtetests am neuen Modell völlig die Präsentation in Hamburg verschlafen hat. Schnell wird man einig, sich gegenseitig zu helfen. Die Außerirdischen beamen Norris ins Still-Hauptquartier, von wo aus er mit Hilfe der Hybrid-Technologie das Raumschiff wieder flott für die Heimreise machen will. Doch der Weg dahin gestaltet sich tückisch, denn die Transporttechnologie der Costianer hat wegen Energiemangels eine Fehlfunktion und bringt die Schiffbrüchigen und ihren Helfer zunächst in eine Vulkanwüste, später in einen Gewittersturm. Als sie schließlich dank Kurskorrektur heil bei Still in Hamburg ankommen, kann Noris das Energieproblem der Costianer lösen und die Logistica wieder auf ihren Heimatplaneten zurückkehren – bis auf die beiden weiblichen Beatzungsmitglieder. Die haben den Still-Slogan „It makes your heart beat“an eigenem Leib zu spüren bekommen und sich Hals über Kopf in ihre irdischen Helfer verliebt.
Der wahre Star der Show ist natürlich der RX 70, der den widrigsten Bedingungen trotzt und gleichzeitig durch seine Effizienz begeistert. So soll der Hybridstapler nicht nur im Lager, sondern auch in der Buchhaltung für Herzklopfen sorgen. Tatsächlich weiß Still bislang von durchweg zufriedenen Pilotkunden zu berichten. Fahrer fühlen sich in der Kabine wohl, Techniker und Lageristen freuen sich sowohl über längere Tankintervalle als auch über die Unempfindlichkeit gegen Staub und Spritzwasser dank des gekapselten Antriebssystems.
Nicht mehr ganz neu, dafür jetzt wirksamer
Ganz neu ist die Kombination von Diesel- und Elektromotor freilich auch bei Still nicht. Bereits 1953 entwickelte Hans Still den ersten dieselelektrischen Stapler. Die Modelle erwiesen sich zwar als robust und sparsam, doch ließ die Leistungsfähigkeit wegen der verlustreichen mechanischen Steuerungsprozesse damals noch arg zu wünschen übrig. In diesem Punkt hat heute dank moderner elektronischer Steuereinheiten die Entwicklung einen Quantensprung gemacht. Das Antriebsystem besteht aus einem Verbrennungsmotor, der den Generator antreibt, einer Steuereinheit und einem Elektromotor. Den Motor gibt es neben der Diesel- auch noch in einer Treibgas-Ausführung. Die Kraftübertragung erfolgt magnetisch. So gibt es keine Reibung und keine Abnutzung, was sich vor allem in den Kraftstoff- und Servicekosten niederschlägt. Die „Total Cost of Ownership“ (TCO) waren laut Still ausschlaggebender Faktor der Entwicklungsarbeit am RX 70. Still bietet seinen Kunden eine Gesamtkostenberechnung von der Anschaffung über den Einsatzzeitraum bis hin zu einer Zweitverwertung an. In puncto Verbrauch sind 2,5 Liter pro Stunde der magische Wert, den Still anhand der noch geltenden VDI-Norm (60 Arbeitsspiele) angibt. Für die künftige neue VDI-Norm mit 45 Arbeitsspielen pro Stunde ergäbe sich laut Still-Presseprecher Bert Frisch sogar ein Verbrauch von nur noch 2,2 Liter. Pro Liter gibt Still einen Lastenumschlag von 120 Tonnen an. „Weniger verbraucht kein Stapler weltweit“, ist sich Jan Bert Knoef, Geschäftsführer Vertrieb und Marketing sicher, stellt aber auch klar: „Der Verbrauch kann für uns nur ein grober Anhaltspunkt sein, da er von zu vielen Faktoren im Arbeiteinsatz abhängig ist. Für uns zählen in erster Linie die ‚Hard Facts’ wie zum Beispiel die Wartungsintervalle als Qualitätskriterium“. Die konnten durch ein neues Wartungskonzept von 500 auf 1000 Betriebsstunden erhöht werden. Die Wartung der Hydraulikanlage schlägt nur noch mit 6000 Betriebstunden zu Buche. Grund dafür ist ein neuentwickeltes System mit einer Verstellpumpe, die das Hydrauliköl bedarfsgerecht und nicht mehr permanent ins Hub- und Lenksystem fördert. Weiterer Kostenkiller ist eine optimierte Antriebsregelung, in der die Drehzahl des Verbrennungsmotors je nach Fahrsituation auf die wirtschaftlichste Möglichkeit einstellt. Dadurch wird der Stapler auch noch leiser.
Dazu würden auch Störungen und Ausfallzeiten minimiert, so dass sich die Geräte durch höhere Verfügbarkeit zusätzlich rentieren. Besonders stolz sind die Entwickler außerdem auf das gekapselte Antriebssystem. Wie hart das im Nehemen ist, stellten die Ingenieure in den verschiedensten Härtetests fest, die eine Langzeit-Nutzung unter widrigen Bedingungen simulieren sollten. Dort wurde der Neuling eingestaubt, mit Säure absichtlich zum Rosten gebracht und immer wieder beregnet. Zur Freude der Tester parierte der RX 70 auch diese Angriffe überdurchschnittlich gut.
Sitzen, sehen, staunen
Auch in arbeitstechnischer Hinsicht ist der RX 70 eine deutliche Weiterentwicklung . So bietet er durch die weit heruntergezogene Frontscheibe und die Anordnung von Armaturen und Instrumenten einen ungehinderten Blick auf Wegstrecke und Gabelzinken. Schlanke Dachstreben und große Dachscheiben aus Sicherheitsglas ermöglichen zusätzlich den freien Blick auf angehobene Lasten und obere Regalreihen. Das elastisch aufgehängte Fahrerhaus verfügt über einen großen Fußraum und der gedämpfte Sitz ist individuell einstellbar. Ergonomischen Gesichtspunkten folgen das kleine Lenkrad und die flache Pedalstellung. Für möglichst geringe Bedienkräfte und eine angenehme Fußhaltung bei der Arbeit.
Wie alle neuen Modelle von Still ist auch der RX 70 modular aufgebaut, so dass auf alle individuellen Kundenwünsche eingegangen werden kann. Zur Verfügung stehen nicht nur verschiedene Motorisierungen und Tragfähigkeiten, sondern auch unterschiedliche Hubgerüste, Bauhöhen und Kabinenausstattungen.
Positive Zukunftsstimmung
Bei Still sieht man der Absatzentwicklung des jüngsten Flottenmitglieds zuversichtlich entgegen. So setzt sich laut Dr. Rolf Karg, Vorstand der Geschäftsführung, das Prinzip der Gesamtkostenrechnung in immer mehr Firmen durch. Und der RX 70 sei so konzipiert, dass er sich nach dieser Rechnung innerhalb von fünf Jahren in jedem Fall rentiert. Eher früher, so Karg, das hänge aber jeweil von der Auslastung der Geräte ab. Zudem erwarten die Hamburger auch für das kommernde Jahr eine positive Branchenentwicklung. Basis dafür ist laut Jan-Bert Koef vor allem Stills anderes Standbein, die Logistik. „Der Logistikmarkt“, so Knoef, „wird weiter wachsen, auch wenn die industrielle Gesellschaft langsam auf dem Rückzug ist“. Über voraussichtliche Stückzahlen mochte sich Knoef nicht äußern, für den Zeitraum von drei Jahren peile man aber eine Verdoppelung des Marktanteils an, der gegenwärtig, so Knoef „leider noch nicht zweistellig“ sei.
Nächstes Ziel für den Hybrid-Stapler ist nach Angaben der Entwicklungsabteilung die Rückgewinnung der Energie aus Bremsvorgängen, mit den bisherigen Ergebnissen ist man bei Still noch nicht zufrieden. Hier muss an neuen Speichersystemen gearbeitet werden, denn die Energiespeicher aus reinen Elektro-Staplern reichen für Diesel-Hybrid-Geräte nicht aus.
In etwa einem halben sollen auch Erdgas-Modelle in Serie gehen. Eine nennenswerte Nachfrage jenseits der Versorgungsunternehmen rechnet man sich hier allerdings nicht aus. Noch weniger Zukunft sehen die Still-Entwickler in Wasserstoff-Staplern. Hierfür wird es ihrer Ansicht nach auf absehbare Zeit keine brauchbare Infrastruktur geben. (Foto: Still)
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