Magnetketten am Superkran
Neue Energiezuführung von Murrplastik bewährt sich in China
Er ist vor allem eins: groß – der neue Portalkran im Werftunternehmen NTS in Jingjiang in der Provinz Jiangsu. Mit seiner Spannweite von über 200 m kann er gleich zwei Trockendocks überfahren. An zwei Katzen lassen sich stolze 850 t anhängen. Entsprechend der Gegebenheiten hat der Kran eine Außenhöhe von 103 m. Der Verfahrweg entlang der Becken beläuft sich auf 400 Meter. Mit dem neuen Portalkran werden große Schiffsrumpfteile aneinandergereiht, um sie dann zu verschweißen.
Die beiden Katzen – eine obere und eine untere – ließen sich wegen der langen Fahrwege nicht mit Energiezuführungen in klassisch gleitender Anordnung ausstatten. Auch bei Ketten mit Rollen lässt sich Verschleiß nicht verhindern. So bauten die Chinesen als Erste die neu entwickelte Magnetkette von Murrplastik ein. In ihr sind an allen Kettengliedern auf den Rahmenstegen im Innenbogen beziehungsweise auf der Gleitschiene der Kette über die gesamte Länge starke Magnete montiert.
Die kunststoffummantelten Magnete sind so gepolt, dass sie sich abstoßen, wenn sie sich gegenüberstehen. So kann sich auch bei langen Verfahrwegen der obere Kettenteil, das Obertrum, mit seiner zum Teil sehr hohen Zuladung nicht mehr auf das untere Kettenteil, das Untertrum, legen, also auch nicht durch Gleiten oder Rollen verschleißen. Mehr noch: Das System ist immer im Gleichgewicht. Je höher die Last im Obertrum wird, desto größer werden die magnetischen Abstoßungskräfte, weil sich die gegenüberliegenden Magnete einander nähern.
Ein weiterer Vorteil ist, dass sich die Antriebseinheiten durch die fehlende Reibung zwischen Obertrum und Untertrum kleiner auslegen lassen. So sind die erforderlichen Zug- und Schubkräfte bei konstanter Geschwindigkeit unabhängig von der Zusatzlast. Das bedeutet: Die Antriebsleistung ist bei 2 kg/m Zuladung genauso groß wie zum Beispiel bei 13 kg/m. Die zum Beschleunigen der Masse nötige Antriebsleistung beträgt nur noch rund die Hälfte der üblichen Werte. Das spart Energie und damit Kosten. Die in dem Werftportalkran eingesetzten Katzen sind maximal 5 m/s schnell. Die Energieketten sind so angeordnet, dass sowohl bei der oberen als auch bei der unteren Katze die Last auf zwei Ketten verteilt ist, die gegenläufig verfahren.
Zum Einsatz kommen bei dem Kran Standardketten des Typs MP 52, die nachträglich mit den Magneten versehen wird. Es wurden also keine speziellen Bauteile für die Magnetkette benötigt. Falls notwendig, kann man die Tragkraft durch die variable Anzahl der fixierbaren Magnete anpassen.
In vielen Fällen tritt Murrplastik als Systemlieferant auf und liefert die Energieführungsketten fertig vorkonfektioniert, also komplett mit allen erforderlichen Leitungen. Bei den Magnetketten hingegen bestellten die Chinesen nur die Ketten und die Ablegewannen, das „Innenleben“ steuerten sie selbst bei.
Nach der Realisierung dieser ersten Referenzanlage sind Weiterentwicklungen der Magnetkette im Hause Murrplastik bereits im Gange. So ist man bei den Magneten zu einer Rautenform übergegangen, weil dadurch eine bessere Überdeckung der Magnetfelder und damit ein ruhigerer Lauf des Obertrums erzielt werden. Diese Weiterentwicklungen und zusätzliche Testergebnisse sollen in die nächsten Krananlagen, Entladebrücken oder Off-Shore-Einrichtungen eingebracht werden.
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